Das urbane Fahrradmagazin

5 Sünden beim Radfahren

Es ist ein Dilemma! Sogar auf dem Rad können sie uns erwischen: Die kleinen Sünden des Alltags! Aus Gewohnheit oder Bequemlichkeit machen wir manchmal Dinge im Straßenverkehr, die wir eigentlich nicht dürfen. Fünf davon besonders häufig.

Foto_Jennifer_square
Lebt im urbanen Rhein-Main-Gebiet und genießt es, mit ihrem Hollandrad zu Arbeit zu fahren. Monotonie ist nichts für sie und vermeintliche Umwege sind oft die spannenderen und schöneren Wege, die auch zum Ziel führen. In ihrer Freizeit ist sie meist mit dem Rennrad unterwegs; reist ans Meer und in die Berge - ein Rad ist immer dabei, denn ohne geht es bei ihr nicht!
Photo: Pixabay (CC0)

Sünde 1: Bei Rot über die Ampel

Da steht man nun und wartet.
Und wartet.
Und wartet.
Und… Ach, lassen wir das.
Nichts tut sich!

Die Zeit vergeht und was bleibt (wenn man Pech hat) sind die Abgase der mit uns stehenden Autos. Verkehrsteilnehmer, die jetzt Grün haben, sind weit und breit nicht zu sehen. Genauso wenig ein Blaulicht, wie ein Blick über die Schulter verrät. Da könnte man doch… Noch einmal nach links, rechts, links geschaut und schon hat das Warten ein Ende.

Klar, Ampeln haben ihren Sinn. An diesem wird auch gar nicht gezweifelt. Aber dieses sinnlose Stehen, wenn gar kein Auto in Sicht ist, ist eine wahre Geduldsprobe. Nur wenn Kinder in der Nähe sind, sieht es schon wieder ganz anders aus. Da wird aus Ungeduld Einsicht.

Allerdings, und das ist eine sehr schöne Idee, gibt es auch rote Ampeln mit grünen Schlupflöchern: In manchen Ländern können Rechtsabbieger trotz Rotphase abbiegen, wenn ein grüner Pfeil auf einer Sondertafel angebracht wurde. So entgeht man seiner Sünde.

Sünde 2: Die Sache mit der Einbahnstraße

Ach, es ist wie verhext und könnte doch so einfach sein! Hin und wieder darf man; dann wieder nicht: In eine Einbahnstraße falsch herum reinfahren. Es ist kein Problem, wenn ein kleines Schild mit der Aufschrift „Radfahrer frei“ am Verkehrsschild angebracht ist. Aber wenn nicht? Tja, dann müssen auch Radfahrer einen Bogen fahren, um von der anderen Seite in diese Straße zu kommen. Theoretisch.

Aber jetzt mal ehrlich: Wer fährt schon solch einen Umweg, wenn der Weg durch die Einbahnstraße auf der Strecke liegt? Eben. Und schon ist es passiert! Selbst wenn kein Auto naht, ein flaues Gefühl bleibt und es wird sogar schlimmer, wenn es doch zu Gegenverkehr kommt. Der Bürgersteig bietet sich dann als Ausweichmöglichkeit an. Doch ups, da ist sie schon. Die nächste Sünde!

Sünde 3: Auf dem Bürgersteig fahren

So verlockend sie manchmal sein können: Bürgersteige sind eine Tabuzone für Radfahrer! Allerdings bestätigen Ausnahmen die Regel – für Kinder unter 8 Jahren gilt dies in Deutschland nämlich nicht: Sie müssen auf ihnen fahren und bis zu ihrem vollendeten 10. Lebensjahr dürfen sie das – bei Bedarf in hoffentlich naher Zukunft sogar mit ihrer Begleitperson!

Es kommt aber vor, dass manchmal weder das eine noch das andere zutrifft. Da staut es sich vielleicht gerade auf der Straße oder auf dem benachbarten Radweg; Schlaglöcher, riesige Wurzeln oder Glasscherben sind auf dem Weg. Natürlich spielt auch die Bequemlichkeit eine Rolle, ebenfalls die Zeit beziehungsweise vielmehr die Zeitnot. Kurzum, es gibt viele Gründe eine Abkürzung über den Bürgersteig zu nehmen. In der Regel muss man auch gar nicht lange nach einem Grund suchen, es passiert einfach.

Sünde 4: Weiterfahren, obwohl Fußgänger die Straße überqueren

Nun, es ist ein Fauxpas, ein Fehltritt, ein unbeabsichtigte Unhöflichkeit – kurzum ein Unding: Einfach weiterfahren, wenn Fußgänger gerade über den Zebrastreifen gehen. Da gibt es nix dran zu rütteln. Sei es von vorne oder von hinten – für denjenigen, der geschnitten wird, ist es eine unwillkommene Überraschung. Schön zu reden gibt es da leider nichts, auch wenn diese Sünde eine Notwendigkeit sein mag, um im Fahrfluss zu bleiben. Mit dem nötigen Abstand und einem entschuldigenden Lächeln lässt sich der Sündenfall aber minimieren.

Sünde 5: Nebeneinander fahren

Wer hintereinander fährt, bekommt nur die Hälfte mit oder ist danach heiser! Eine Erfahrung, die zum Radfahrerleben dazugehört. Damit man nicht so schreien muss und weil Augenkontakt, ohne sich dabei den Nacken zu verrenken, schöner ist, fährt es sich nebeneinander ganz gut. Manchmal ist es erlaubt und manchmal nicht.

Wenn nur der Verkehr nicht wäre und wir das Verkehrshindernis! Aber so ist es manchmal. Es gibt jedoch Ausnahmen, denn wer will schon zehn, 20, 30 Radfahrer überholen, die einzeln hintereinander fahren? Damit es nicht soweit kommt und wohlmöglich ein Stau entsteht, dürfen in Deutschland zwei Radfahrer nebeneinander fahren, vorausgesetzt es handelt sich um einen geschlossenen Verband, also um eine Gruppe in der mindestens 16 Fahrer unterwegs sind. Sogar eine rote Ampel kann dann überfahren werden, wenn wenigstens die ersten beiden noch über Grün gefahren sind. Der Querverkehr muss dann warten bis alle vorbei sind.

Die Sache mit den Sünden

Mit den Sünden ist es halt so eine Sache. Man denkt, es wäre eine Sünde, Mitten auf der Straße zu fahren und dann ist es gar keine. Schließlich müssen wir auch zum Fahrbahnrand, zu Gehwegen und zu parkenden Fahrzeugen Abstand halten und können gar nicht weit genug rechts bleiben, um das hinter uns fahrende Auto noch vorbeizulassen. Dann wiederum gibt es so offensichtliche Sündenfälle, da helfen schlichtweg keine Argumente, um sie schönzureden. Vielleicht ist es nicht immer leicht, sündenfrei zu leben, schlussendlich ist es die gegenseitige Rücksichtsnahme, die uns sicher durch die Stadt bringt. Und so gelöst, verspricht diese Art des Unterwegsseins Entspannung für alle Seiten.

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Lebt im urbanen Rhein-Main-Gebiet und genießt es, mit ihrem Hollandrad zu Arbeit zu fahren. Monotonie ist nichts für sie und vermeintliche Umwege sind oft die spannenderen und schöneren Wege, die auch zum Ziel führen. In ihrer Freizeit ist sie meist mit dem Rennrad unterwegs; reist ans Meer und in die Berge - ein Rad ist immer dabei, denn ohne geht es bei ihr nicht!

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