Das urbane Fahrradmagazin

2.4 Millionen Euro für ein Fahrrad-Paradies in Bremen

In der Alten Neustadt in Bremen entsteht bis 2019 das erste Fahrradquartier Deutschlands. Oder viel mehr das erste Fahrradmodellquartier, wie die offizielle Bezeichnung des Projektes lautet. Die Stadt und die Hochschule Bremen erhalten für den fahrradfreundlichen Umbau des Quartiers 2.4 Millionen Euro Fördermittel vom Bund.

Charlotte Keuer
Charlotte studiert Medienwissenschaften an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und wohnt seit zwei Jahren in Berlin. Woher ihre Leidenschaft für das Fahrradfahren kam, kann sie nicht genau erklären aber ein Praktikum bei Bike Citizens war für sie der nächste logische Schritt. In ihrer Freizeit futtert sie sich durch alle asiatischen Restaurants Berlins, geht bouldern oder ins Kino.
Entwurf für das Fahrrad-Repair-Café auf dem Campus der HSB. Foto: hs-bremen.de

Fahrradstadt Bremen

Das Fahrradfahren hat in Bremen einen besonderen Stellenwert. So hat zum Beispiel das Konzept der Fahrradstraße – einer Straße, in der Fahrradfahrende Vorrang haben und nebeneinander fahren dürfen – und das mittlerweile bundesweit Schule gemacht hat, in Bremen seinen Ursprung. Ein Viertel aller Strecken in der Hansestadt werden mit dem Fahrrad erledigt. Im europaweitem Vergleich liegt Bremen damit auf Platz drei hinter Kopenhagen und Amsterdam.

Doch auf diesem Erfolg wollten sich die Bremerinnen und Bremer nicht ausruhen, insbesondere die im Quartier Alte Neustadt, einem lebendigem Wohnviertel direkt an der Weser. Neben Altbauten und Kopfsteinpflaster gibt es in diesem bunt gemischten Viertel auch Gewerbe- und Kultureinrichtungen sowie den “Campus Neustadt” der Hochschule Bremen (HSB).

Gemeinsam mit vielen Unterstützenden hatte sich der Stadtteil im August 2016 mit dem Projekt „Fahrradmodellquartier Alte Neustadt Bremen“ um Fördermittel beworben und diese nun bekommen.

2,4 Millionen Euro für das Fahrrad-Modellquartier

Die Mittel stammen aus dem Klimaschutzfond des Bundesumweltministeriums und stehen der Stadt sowie der Hochschule Bremen für die Umgestaltung des Viertels zu einer Fahrradzone zur Verfügung. Das Prinzip der Fahrradstraße, wird auf das gesamte Viertel ausgeweitet. Dazu bekommen auch Straßen mit Kopfsteinpflaster einen angenehm befahrbaren Asphaltstreifen. In anderen Straßen sollen zusätzliche Fahrradbügel in Kreuzungsbereichen dafür sorgen, dass diese nicht von Autos zugestellt werden und so auch Fußgängerinnen und Fußgänger von den geplanten Maßnahmen profitieren.

Fahrradmodellquartier Alte Neustadt Bremen Plan

Die geplanten Umbaumaßnahmen im Fahrradmodellquartier Alte Neustadt. Bild: hs-bremen.de

Auch der Campus Neustadt der HSB profitiert

An den drei Standorten der Hochschule Bremen entstehen viele Fahrrad-Abstellmöglichkeiten, E-Bike-Ladestationen sowie Leih-Stationen für Fahrräder und Lastenräder. Außerdem wird auf dem Campus ein Fahrrad-Repair–Café gebaut, welcher durch einen zusätzlichen Biergarten als Treffpunkt für Studierende, Anwohner und Anwohnerinnen dienen soll. Das Quartier soll so enger zusammenwachsen und die Hochschule möchte dabei ein Knotenpunkt sein und aktiv zu der Attraktivität des Stadtteils beitragen, sagt die Rektorin der HSB Dr. Karin Luckey.

„Paradiesische Zustände“ ab 2019

90 Prozent der Umbaukosten werden durch die Fördermittel getragen, die restlichen 10 Prozent trägt die Stadt Bremen bei. „Der Umbau nimmt jetzt richtig Fahrt auf. Der Baubeginn ist für Ende 2017 vorgesehen und bereits im nächsten Jahr werden die meisten Veränderungen sichtbar werden“, erklärt Martin Stellmann vom Amt für Straßen und Verkehr der Stadt. „Und bis 2019 sind alle Baumaßnahmen abgeschlossen, so sehen es nämlich die Förderrichtlinien des Bundesumweltministeriums vor“. Ab dann erwarten Radfahrer und Radfahrerinnen in der Alten Neustadt wahrhaft paradiesische Zustände. In der gesamten verkehrsberuhigten Zone ist der Autoverkehr dann nur noch zu Gast. „Das Bremer Fahrradmodellquartier ist ein Leuchtturm-Projekt“, so Stellmann weiter. „Gerade weil es das erste Projekt dieser Art in Deutschland ist, haben wir den Zuschlag für die Fördermittel erhalten.“

Bremen setzt schon seit Langem aufs Rad

Das Bremen so eine fahrradfreundliche Stadt ist, hat auch etwas mit der BIKE IT! Kampagne zu tun. 2014 wurde sie gestartet und von Anfang an war Bike Citizens dabei. Mit der aktiven Radverkehrskommunikation werden sowohl Gäste als auch Bremerinnen und Bremer dazu ermuntert, im Alltag und in der Freizeit öfter auf‘s Rad zu steigen. Im Rahmen der Kampagne kann sich jeder die Karten für Bremen, Bremerhaven und das niedersächsische Umland kostenfrei über die Bike Citizens App herunterladen. Mehrere ausgewählte Touren vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten stehen  zusätzlich über die App zur Verfügung.

Ob sie Bremen nur besuchen oder dauerhaft dort wohnen, viele Radtouren locken Menschen in der Hansestadt aufs Rad. Foto: Bike Citizens

BIKE IT! hat es geschafft, dass das Rad zu dem Verkehrsmittel für urbane bremische Lebensqualität geworden ist. Seit Mai 2013 wurden mehr als 200.000 Fahrrad-Kilometer über die App aufgezeichnet. Und in Zukunft wird auch das Modellquartier Alte Neustadt dazu beitragen, dass noch mehr Bremerinnen und Bremer aufs Rad steigen.

Charlotte Keuer
Charlotte studiert Medienwissenschaften an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und wohnt seit zwei Jahren in Berlin. Woher ihre Leidenschaft für das Fahrradfahren kam, kann sie nicht genau erklären aber ein Praktikum bei Bike Citizens war für sie der nächste logische Schritt. In ihrer Freizeit futtert sie sich durch alle asiatischen Restaurants Berlins, geht bouldern oder ins Kino.

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